Testbericht zum E Ride Pro SE: Das 72-V-Modell, das man tatsächlich zulassen kann

Bei den meisten Elektro-Dirtbikes muss man sich entscheiden: entweder pure Offroad-Leistung oder Straßenzulassung. Das E Ride Pro SE macht diesen Kompromiss zunichte. Es basiert auf einer 72-V-Plattform mit einer Spitzenleistung von bis zu 10 kW und verfügt ab Werk über eine vollständige L1e-Zulassung – ganz ohne Nachrüstungen und ohne bürokratischen Aufwand in der Grauzone.

Diese Kombination macht es zu einem Unikat. Hier erfahren Sie, warum es das praktischste Hochleistungs-E-Motorrad im aktuellen Angebot sein könnte.

Zwei Versionen, eine Plattform

Die SE-Version wird in zwei Konfigurationen angeboten, die über identische Hardware verfügen, sich jedoch hinsichtlich ihres rechtlichen Status und der Softwarebeschränkungen unterscheiden.

Die straßenzugelassene Version L1e ist auf 45 km/h begrenzt und EU-weit für den Straßenverkehr zugelassen. Es ist lediglich ein Führerschein der Klasse AM oder B erforderlich, und in den meisten europäischen Ländern darf man das Fahrzeug bereits ab 15 Jahren fahren. Die Versicherung ist unkompliziert, die Zulassung ist einfach, und das Fahrzeug gilt als Moped – nicht als Motorrad.

Die Offroad-Version hebt diese Softwarebeschränkungen vollständig auf und ermöglicht so die volle Leistung von 10 kW, eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 90 km/h und eine Beschleunigung von 0 auf 45 km/h in nur 2,5 Sekunden. Gleicher Rahmen, gleiche Federung, gleiche Bremsen – andere Zulassungsunterlagen und andere Grenzwerte.

Für Fahrer, die von Montag bis Freitag legal zur Arbeit pendeln und am Wochenende uneingeschränkt auf Privatgrundstücken fahren möchten, ist diese Regelung sehr sinnvoll.

72-V-Batterie: Kein Spannungsabfall

Das SE-Modell verfügt über einen 72-V-Lithium-Akku von Samsung mit 36 Ah (2 592 Wh), der sich in wenigen Minuten austauschen lässt. Die Hochspannungsarchitektur ist nicht nur auf dem Datenblatt von Bedeutung: Im Gegensatz zu 48-V- oder 60-V-Systemen sorgt eine 72-V-Plattform für eine konstante Drehmomentabgabe, auch wenn sich der Akku entlädt. Selbst bei langen Anstiegen oder ausgedehnten Fahrten ist kein spürbarer Leistungsabfall zu verzeichnen.

Die Reichweite beträgt unter normalen Fahrbedingungen bis zu 100 km, wobei das Aufladen von 20 % auf 90 % etwa 1,5 Stunden dauert. Fahrer mit einer zweiten Batterie können diese Reichweite praktisch verdoppeln, ohne anhalten zu müssen.

Fahrgestell: 63 kg – mit Motorrad-DNA

Mit 63 kg inklusive Akku ist die SE für ein 72-V-Modell ausgesprochen leicht. Die Gewichtsbeschränkung liegt bei 100 kg, und die Sitzhöhe von 860 mm sorgt für eine stabile Geometrie und vermittelt ein sicheres Fahrgefühl, ohne dass erwachsene Fahrer sich eingeengt fühlen.

Bei der Federung hebt sich die SE von ihren Konkurrenten in dieser Klasse ab. Sie verfügt vorne über eine speziell angefertigte RST-Doppelbrücken-Upside-Down-Gabel und hinten über einen Stahlfeder-Stoßdämpfer, beide mit 210 mm Federweg und einstellbarer Druck- und Zugstufe. Das ist Hardware in Motorradqualität – entwickelt für die Belastungen einer 10-kW-Leistung und keine umfunktionierten Mountainbike-Komponenten.

Bremsen: Motorrad-Standard, kein MTB

Die hydraulische Scheibenbremsanlage des SE ist mit Bremsbelägen in Motorradqualität ausgestattet – ein Detail, das es zu erwähnen gilt, da die meisten Fahrräder in diesem Segment stillschweigend MTB-Bremsbeläge verwenden, die bei anhaltendem Bremsen mit hoher Geschwindigkeit an Leistung verlieren. Der SE verfügt zudem über eine einstellbare regenerative Bremsfunktion, die bei Abfahrten geringfügig zur Reichweite beiträgt und dem Ausrollen ein natürliches Gefühl verleiht.

Für wen ist der SE eigentlich gedacht?

Für Stadtfahrer in Europa ist die Zulassungsmöglichkeit als L1e das überzeugendste Argument. Ein leistungsstarkes, schnelles und gut gefedertes E-Bike, das als Moped versichert und mit einem PKW-Führerschein gefahren werden kann, ist eine echte Seltenheit.

Für Offroad-Fahrer nimmt die SE eine interessante Position im Modellangebot ein – sie bietet mehr Leistung als die SS 2.0 und ist leichter und wendiger als die SR. Mit ihren 63 kg meistert sie technisches, enges Gelände mit einer Souveränität, mit der schwerere Motorräder einfach nicht mithalten können.

Das SE-Modell ist die erste Wahl für Pragmatiker in der E Ride Pro-Reihe: weniger Kompromisse, mehr Einsatzmöglichkeiten.