Testbericht E Ride Pro SS 3.0: 15,8 kW mit Straßenzulassung

Die Kluft zwischen straßenzugelassenen E-Bikes und wirklich schnellen Offroad-Maschinen wird seit Jahren immer kleiner. Das E Ride Pro SS 3.0 schließt sie fast vollständig. Mit einer Spitzenleistung von 15,8 kW, doppelter L1e/L3e-Zulassung und einem 3.600-Wh-Akku von Samsung ist es das leistungsstärkste straßenzugelassene E-Motorrad in der SS-Reihe – und eines der vielseitigsten Elektromotorräder, die es überhaupt gibt, unabhängig vom Preis.

15,8 kW: Die Lücke zum SR schließen

Der SS 3.0 verfügt über einen bürstenlosen Motor mit einer Nennleistung von 6 kW und einer Spitzenleistung von 15,8 kW sowie einem Raddrehmoment von 520 N·m – eine deutliche Steigerung gegenüber dem 12-kW-SS 2.0 und nah genug an den 25 kW des SR, sodass direkte Vergleiche unvermeidlich sind. Die Antwort hängt ganz davon ab, was und wo man fährt.

Auf technischen, engen Trails, wo Gewicht und Wendigkeit wichtiger sind als reine Leistung, übertrifft der 76 kg leichte Rahmen des SS 3.0 regelmäßig das schwerere Gesamtpaket des SR. Der Sprint von 0 auf 48 km/h dauert nur 2 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit im Gelände liegt bei 100 km/h, und die Kraftentfaltung erfolgt unmittelbar, ohne dabei unberechenbar zu sein. Dies ist eine Maschine für erfahrene Fahrer – kein nachsichtiges Einsteiger-Bike.

L1e und L3e: Zwei Wege zur Nutzung im Straßenverkehr

Der SS 3.0 ist in drei Ausführungen erhältlich: L1e, L3e und uneingeschränkt für den Geländeeinsatz.

Die L1e-Version ist per Software auf 45 km/h begrenzt und gilt EU-weit als Moped – in den meisten Ländern ist lediglich ein normaler Führerschein erforderlich, und es besteht Anspruch auf eine Mopedversicherung. Dies ist der einfachste Weg zur Zulassung für Pendler, die das Fahrrad legal auf öffentlichen Straßen nutzen möchten.

Die L3e-Version schaltet die volle Leistung von 15,8 kW für den Straßenverkehr frei, erfordert jedoch einen vollwertigen Motorradführerschein (je nach Markt der Klasse A1, A2 oder A). Im Gegenzug erhält man ein zugelassenes Hochgeschwindigkeits-Pendlerfahrzeug ohne Geschwindigkeitsbegrenzung – eine Kombination, die in dieser Leistungsklasse wirklich selten ist.

Beide straßenzugelassenen Versionen verfügen über die gleiche Hardware wie die Offroad-Ausführung. Der Unterschied liegt in den Zulassungsunterlagen und den Softwarebeschränkungen, nicht in den Komponenten.

Akku: 3 600 Wh, austauschbar

Der 72-V-Lithium-Akku mit 50 Ah (3.600 Wh) ist vollständig austauschbar. Das Aufladen von 20 % auf 90 % dauert 3,5 Stunden. Die Reichweite beträgt bei einer Geschwindigkeit von 40 km/h über 102 km und steigt bei gemächlichen 24 km/h auf 160 km – Werte, die mehrtägige Touren wirklich möglich machen.

Die 72-V-Plattform sorgt für eine gleichmäßige Drehmomentabgabe über den gesamten Ladekurvenbereich. Auch bei langen Anstiegen oder ausgedehnten Fahrten ist kein merklicher Leistungsabfall zu spüren.

Fahrwerk und Federung

Mit einem Gewicht von 76 kg inklusive Akku und einer Gewichtsbeschränkung von 137 kg liegt das SS 3.0 zwischen dem wendigen SS 2.0 und dem strafferen SR. Die verstärkte Rahmengeometrie ist auf die Belastungen durch anhaltende Spitzenleistung ausgelegt – dort, wo es darauf ankommt, ist es steifer als das 2.0, ohne dabei unnötiges Gewicht hinzuzufügen.

Die Federung besteht vorne und hinten aus FastAce-Hochleistungs-Komponenten, die in Druck- und Zugstufe voll einstellbar sind. Die Sitzhöhe beträgt 830 mm, der Radstand 1 260 mm und die Bodenfreiheit 280 mm – eine Geometrie, die sowohl auf Trails als auch auf Asphalt ohne nennenswerte Kompromisse überzeugt. Die Reifengrößen betragen 2,75-19 vorne und 3,00-18 hinten.

Bremsen und Ausstattungsmerkmale

Hydraulische DOT4-Scheibenbremsen mit 220-mm-Bremsscheiben vorne und hinten sorgen für eine konstante, fadingfreie Bremsleistung. Die regenerative Bremskraft ist in mehreren Stufen einstellbar. Zu den weiteren Ausstattungsmerkmalen gehören ein Rückwärtsgang, ein LCD-Display, die Integration einer Bluetooth-App zur Anpassung der Motorleistung und der Regenerationseinstellungen sowie eine zuschaltbare LED-Beleuchtung.

Fazit

Die SS 3.0 nimmt eine ganz eigene, klar definierte Position ein: mehr Leistung als jedes andere als Moped zugelassene Fahrzeug, mehr Flexibilität auf der Straße als eine reine Offroad-Maschine und leicht genug, um auch auf anspruchsvollen Strecken agil zu bleiben. Während die SR das Motorrad für Fahrer ist, die unabhängig von den Umständen maximale Leistung wollen, richtet sich die SS 3.0 an Fahrer, die innerhalb der realen Rahmenbedingungen – Pendeln, Versicherungspolice, Straßenzulassung – maximale Leistungsfähigkeit suchen.

Es ist schwieriger, dieses Fahrrad abzulehnen, als es zu empfehlen.